„Gen Y“ und die besondere Herausforderung im Leadership

Während ich mit 25 Jahren fragte, was gescheit ist, fragt mein Sohn mit 24 Jahren nun, was Sinn macht. Der partnerschaftliche Erziehungsstil hat aber nun gravierenden Einfluss auf die Art, wie die jungen Leute von heute im Unternehmen geführt werden möchten und auch müssen. Sorglos aufgewachsen, ohne Existenzängste, in einer Sozialisation, wo sie als Individuum gesehen und gefördert wurden, zeigen sie sich selbstbewusster, mutiger und anspruchsvoller als wir es waren. Ich habe mich als junge Erwachsene dem System angepasst: Widerspruch oder ein Hinterfragen dessen, was mein Chef sagte, fand im Stillen statt. Ein Lebenslauf mit wenigen Arbeitsstellenwechseln wurde positiv goutiert – man galt dadurch als verlässlich, stabil und loyal und das war wichtig.

Marlies Dangl trainiert seit vielen Jahren Führungskräfte im Sozialbereich mit dem Schwerpunkt Integration, Motivation und Führung von jungen Menschen.
Marlies Dangl

Die Generation Y hingegen hat ein anderes Selbstverständnis: Sie stellt vieles in Frage und fährt dann zu Höchstleistungen auf, wenn sie Sinn in ihrem Tun sieht bzw. wenn sie von etwas begeistert ist. Ist für sie der Sinn nicht erkennbar, reagieren sie größtenteils mit Demotivation und Antriebslosigkeit.

Die Gen Y ist anspruchsvoller als jene MitarbeiterInnen, die schon lange in Ihrem Unternehmen sind und wie Sie selbst es mal waren. Haben wir früher bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter genau vorgegeben, was wir von ihnen verlangen und was sie mitbringen müssen, damit sie in unser Unternehmen passen ist es nun so, dass wir uns als attraktives Unternehmen für neue MitarbeiterInnen präsentieren müssen.
Der Fachkräftemangel fordert uns heraus, ihren hohen Ansprüchen und Erwartungen zu entsprechen, damit sie ihre Potenziale in vollem Umfang unserem Unternehmen zur Verfügung stellen können und nicht nach kurzer Zeit kündigen oder sich resignativ an unser System unterordnen.

Wie kann ich als UnternehmerIn, PersonalentwicklerIn und Führungskraft die „jungen Wilden“ anziehen und halten, und sie gleichzeitig in die bestehenden Strukturen einbinden, sodass niemand sich „verbiegen“ muss? Das ist wohl die große Herausforderung!

Es geht nicht darum alles auf die neue Generation auszurichten und all ihre Wünsche zu erfüllen, sondern das zu vertreten wofür das Unternehmen steht mit einer Beweglichkeit, die die Brücke von Bestehendem und Neuen ist.

Dafür muss ein Unternehmen seine Werte herausarbeiten: Wofür stehen Sie als Unternehmen? Was ist das Einzigartige an ihnen und welchen besonderen Nutzen stiftet das Unternehmen für die Menschen/die Welt? Aus dieser inneren Festigkeit heraus kann ein Unternehmen beweglich sein und sich immer wieder auf Neues einlassen ohne sich zu verbiegen.

Was brauchen diese jungen Menschen, dass sie sich begeistert engagieren und sich für das Unternehmen einsetzen, Verantwortung übernehmen und motiviert bleiben?
Der bekannte Neurobiologe Prof. Gerald Hüther nennt 4 Kriterien:

  1. Vorbilder und Mentoren, die inspirieren, Mut machen und Orientierung geben
  2. Erlebnis- und Erfahrungsräume, wo die eigenen Potenziale eingebracht und durch Herausforderungen erweitert werden können
  3. Eine wertschätzende, ko-kreative Gemeinschaft, in der sich der Mensch angenommen erlebt
  4. Und schlussendlich Sinn

Eine gute Synergie aus allen vier Faktoren ist nicht nur für die Generation Y förderlich, sondern generell für das Führen von Menschen.

1) Orientierung gebende, inspirierende und ermutigende Leader

Junge Menschen sind auf der Suche nach starken Autoritäten, die sie auf ihrem Weg inspirieren, ihnen ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen und ihnen Mut machen etwas auszuprobieren. Gleichzeitig brauchen sie Orientierung und Halt. Mehr denn je sind wir als integrative Persönlichkeiten gefragt, die sich ihrer selbst bewusst sind und die Fähigkeit haben Unterschiedliches miteinander zu verbinden und eine Synergie zu schaffen – das Altbewährte mit dem Neuen, die Herangehensweisen der „Jungen“ mit der Arbeits- und Denkweise der langerfahrenen MitarbeiterInnen. Erfolgreich Diversity leben ist nicht bloß ein modernes Schlagwort, sondern Voraussetzung für ein erfolgreiches Unternehmen in der Zukunft. Als integrative Führungspersönlichkeiten sind wir gefordert der Gen Y Raum zu geben UND gleichzeitig hinter den lebendigen Strukturen und Werten des Unternehmens zu stehen.

Die Führungskraft hat mehr Wirkung als Orientierung gebender Coach und Mentor wie als vorgebender Patriarch. Durch Klarheit über Ziele, Rahmenbedingungen und Erwartungen können junge Mitarbeiter ihre Potenziale so richtig entfalten. Mein Sohn hat es einmal so auf den Punkt gebracht: „Ich brauche Autoritäten, die „es mir sind“, die hinter etwas stehen, sich ihrer selbst bewusst sind und mich gleichzeitig wertschätzen in meiner anderen Sicht der Dinge.“

Der Einsatz von erfahrenen, inspirierenden MitarbeiterInnen als Mentoren für die junge Generation sehe ich als gewinnbringend. Ein voneinander lernen hält das Unternehmen lebendig!

2) Raum für Kreativität und Erprobung – Erlebnis- und Erfahrungsräume

Kreativität hat dann ihre Wirkung, wenn sie entfalten kann. Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen und fahren bei Herausforderungen erst so richtig zu Höchstleistungen auf.
In welchen Bereichen können junge MitarbeiterInnen in Ihrem Unternehmen Verantwortung übernehmen? Und was brauchen sie dazu, damit sie auch erfolgreich in ihrer Aufgabe sind?

  • Eine flache Hierarchie, die sie in Entscheidungen miteinbezieht
  • Klarheit über die Eckdaten des Budgets, der Möglichkeiten und der Rahmenbedingungen
  • Klarheit über die Werte des Unternehmens und wofür es steht, damit sie ihre Aufgaben in diesem Sinne ausrichten können
  • Ermutigung und Stärkung durch kritisches Feedback: Sie erwarten Rückmeldungen über Ihre Leistung wie auch über ihre Stärken und Schwächen. Größtmöglichen Halt und Korrektur gibt ihnen ein Feedback, dass sich an den Potenzialen orientiert, aber auch dessen Schattenseiten berücksichtigt, um daraus die Entwicklungsziele zu erarbeiten.

3) Ko-kreative, lebendige Gemeinschaften

Junge Menschen stehen am Cafe-Stehtisch beisammen, erzählen einander von den Projekten an denen sie gerade arbeiten, neue Ideen werden kreiert, eines ergibt das andere, ein wahres Feuerwerk an Ideen entsteht, zwischendurch lachen und auch mal „voll crazy Ideen“ und blödeln. Leichtigkeit und Entspanntheit ist spürbar und gleichzeitig viel Kraft und Innovation.

Ich kenne mittlerweile 3 Betriebe, die ganz bewusst die Kaffeepausen fördern. Sie fördern Teamarbeit durch Projekte, wo sowohl die Jungen als auch die Erfahrenen gefragt sind und Diversity ganz neue Entwicklungen ermöglicht. Gelebte Diversity aber stellt eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten dar, denn unbewusst sucht jeder nach seines gleichen, mehr als nach dem Widersprüchlichen. Führungskräfte sind in ihrer Kompetenz, in allem den gemeinsamen Nenner zu finden, gefragt. Teamentwicklung und Teamcoaching können helfen, Unterschiede bewusst zu machen und diese gewinnbringend zu integrieren. Das Zusammenfinden im Team wird vor allem auch durch lustvolle, gemeinsame Aktivitäten außerhalb des Betriebes gefördert.

Auffällig bei diesen guten Teams ist, dass sie von sehr wertschätzenden Führungspersönlichkeiten geführt werden, die der Unterschiedlichkeit im Team Raum geben und diese nützen. In diesen Teams läuft zumeist eine lebendige Feedbackkultur, aber auch regelmäßige Teambesprechungen, wo der Fokus auf das gemeinsame Gestalten gelegt wird.

4) Der 4. Pfeiler für nachhaltige Motivation ist SINN
Der Einsatz der Gen Y wächst mit dem Erleben von Sinn in ihrem Tun. Ebenso erlebe ich diese Motivation besonders bei MitarbeiterInnen über 50, wenn sie in ihrem Tun Sinn erleben, z.B. als Mentoren für die jungen KollegInnen. Den größtmöglichen Sinn erleben Menschen, wenn ihr Tun Sinn für andere macht. Soziales Engagement ist immer motivierend und stärkt die Anerkennung und Wertschätzung eines Betriebes.

Work-Life-Balance wird hochgeschrieben. Das Arbeits- und Privatleben verschwimmt immer mehr: Berufliche Mails werden abends zuhause noch gecheckt, die „Aktentasche“ (nun der Laptop) steht zumeist geöffnet in der eigenen Wohnung, um alles bei sich zu haben, wenn Kollegen oder Kunden sie am Handy anrufen. Sie wollen Zeit für sich haben aber auch für ihre Familien, wollen auch für ihre Kinder da sein und in Karenz gehen. Sie wollen aber auch Zeit zur Erweiterung ihres Wissens haben, z.B. sich in einem Sabbatical einer Zusatzausbildung widmen. Was bedeutet das für die Personalentwicklung?

  • Flexible Arbeitszeiten mit klaren Zielvereinbarungen und Rahmen
  • Möglichkeit einer Zusatzausbildung
  • Professionelle und persönliche Weiterbildung fördern und in die Wege leiten
  • Möglichkeit eines Heimarbeitsplatzes
  • Bereitstellen von Gesundheitsmaßnahmen im Unternehmen

Fazit:

Die Generation Y fordert uns alle heraus, unsere Kompetenzen noch weiterzuentwickeln: Hin zu mehr Offenheit für das ganz Neue, hin zu mehr Integration von Unterschiedlichkeiten und vor allem hin zu stärkerer Authentizität und Bewusstheit. Ethik nimmt einen besonderen Stellenwert ein.

Diese Herausforderung und der hohe Einsatz lohnt sich. Dort wo Herzblut und Leidenschaft, wie auch Entwicklung, Erneuerung und Wertschätzung Raum bekommt, ist die Identität mit einem Unternehmen höher und damit auch das Engagement und die Leistung. Die Übernahme an Verantwortung nimmt zu, sowie die Identifizierung und Loyalität mit dem Unternehmen. Zufriedene Mitarbeiter sind bekanntlich DIE Visitenkarte eines Betriebes. Schlussendlich ist ein Unternehmen durch die erfolgreiche Integration der Gen Y zukunftsfähiger.

Marlies Dangl

Sie haben Fragen zum Thema Führung der Generation Y?
Dann kontaktieren Sie uns bitte für ein persönliches Gespräch:

Sie erreichen Ihre Ansprechpartnerin Marisa Jesacher unter: